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                                                            kleine Geschichten
                                                                       
   
(15.09.2014)

Das kleine Tal...

Es war einmal ein kleines Tal mit einem tiefen, klaren See, umgeben von den höchsten Bergen. Kein Weg führte in dieses Tal und nie hatte ein Mensch es je betreten.

Das kleine Tal schaute sehnsuchtsvoll zu den hohen Gipfeln hinauf und lauschte den eindrucksvollen Worten, die man dort oben sprach. Ab und zu hatte das kleine Tal auch schon mal etwas hinaufgerufen, aber die hohen, stolzen Berge warfen höchstens irritiert einen Blick hinunter, wer sich da in ihre ach so wichtigen Gespräche einmischte. Eine Antwort gaben sie nie.

Das kleine Tal mit dem tiefen See war einsam und dachte: "Eines Tages werde ich auch so groß sein, wie ihr." Und so vergingen viele Millionen Jahre.

Dann plötzlich in einer Nacht, als das Tal wieder einmal von hohen Bergen träumte und der tiefe See leise seine Wellen dazu bewegte, kam ein Engel und sagte: "Morgen kommt GOTT in dieses Tal." Mehr sagte er nicht.

Das kleine Tal war sehr aufgeregt. Was, wenn es gar kein Traum war, wenn wirklich morgen GOTT käme? Zu ihm, in dieses kleine Tal. Wenn ER zu ihm sprechen würde und es fragen, ob es einen Wunsch habe. "Ja!, ich möchte so groß sein, wie diese schönen, hohen Berge um mich herum", hörte das kleine Tal sich sagen.

Der Tag kam, doch nichts geschah. Erst am Abend, als die Sonne schon unterging, war plötzlich ein Singen und Brausen in der Luft und dann kamen Engel und schließlich kam GOTT und ging durch das Tal. Das kleine Tal war so aufgeregt, daß es nicht wagte, auch nur ein Wort zu sagen. Das ganze dauerte nur wenige Minuten, dann war es vorüber. Aber die letzten Worte, die GOTT zu einem Engel noch sprach, hatte das kleine Tal gehört. "ICH habe dieses wundervolle Tal geschaffen für diesen einen Augenblick. Dazu mußte ICH extra alle die hohen Berge drum herum errichten, nur damit es dieses kleine Tal gibt. ICH liebe es sehr und schaue oft von oben herunter. Und in seinem kleinen, klaren See spiegelt sich der ganze Sternenhimmel und das Universum und ICH kann mich darin sehen."

Das kleine Tal war beschämt und weinte dann voller Glück, und dann dachte es: "Ach ja, ich mag diese hohen Berge zwar sehr, aber sollen sie doch unter sich bleiben. Wenn sie nicht verstehen, daß sie nur hohe Berge sind, weil es mich, das tiefe Tal gibt, dann will ich sie auch nicht. Sollen sie doch zu mir herunter kommen."

Später dachte es noch mit einem kleinen zufriedenen Lächeln: "Allerdings..., es wäre schon schön, mal den einen oder anderen Gipfel zu besteigen."

* * *

Der Mann in der Wüste...

Ein Mann irrte durch die Wüste und er wußte, daß wenn man ihn nicht bald fände, sein Leben zu Ende sein würde. Er fing schon an zu phantasieren. Dann fiel ihm GOTT ein, an den er nie so recht geglaubt hatte, von dem es aber hieß, daß er immer da sei, für jeden.  

Und er sprach mit krächzender Stimme: "Gott, wo bist Du denn? Wenn es Dich gibt, warum hilfst Du mir nicht?"

Aber es geschah nichts. Er hatte es auch nicht wirklich erwartet. Er schleppte sich Meter für Meter weiter, dem Verdursten nahe.

Dann fing er wieder an: "Gott, warum tust Du mir das an? Wenn es Dich gibt, warum läßt Du zu, daß soviel Unglück in Deiner Welt geschieht?

Er bekam keine Antwort. 

Dann nach weiteren Stunden fing er nochmals an: "Gott, ich weiß, daß ich hier sterben werde. Aber gib mir nur ein Zeichen, daß Du da bist und mein Leiden und meinen Tod siehst."

Da bemerkte er plötzlich neben sich Fußspuren, die sich mit den seinen vorwärts bewegten.

Und eine Stimme sprach: "Ich bin bei Dir." 

Der Mann konnte es nicht glauben, aber es war tatsächlich so, neben ihm ging noch jemand, den er nicht sehen konnte, aber der seine Fußspuren neben seinen in den Sand drückte.

Irgendwann verlor der Mann das Bewußtsein. Er erwachte in einer Oase unter Palmen im Schatten, und Wasser einer Quelle plätscherte in der Nähe. Da erinnerte er sich an den langen Weg und sagte: "Ich habe es also geschafft."

Dann fiel ihm GOTT wieder ein. Dann erinnerte er sich an die Fußspuren. Es ließ ihm keine Ruhe und er ging an den Rand der Oase, dort, woher er gekommen sein mußte. Und da sah er, was er erwartet hatte. Es gab nur eine Spur, die hierher führte. Seine eigene Spur.

Er sagte: "Siehst Du Gott, ich habe Dich nicht gebraucht und Du hast mir ja auch nicht geholfen. Meine Fußspuren beweisen es, daß Du nicht neben mir gegangen bist, daß es nur eine Halluzination war."

Da sagte eine Stimme: "Das sind nicht Deine Fußspuren. Ich habe Dich getragen."

* * *

Der alte Baum...

Es war einmal ein alter, großer Baum. Irgendwann sagte er zu sich selber: "Ich bin nicht allein, die Sonne scheint auf mich und gibt mir Kraft, die Erde trägt mich und gibt mir Halt. Und viele Tiere finden Schutz in meinem Blätterwald und meinem Schatten. Und alle sehen mich von weitem. Und den Wanderern, die von weit her kommen, gebe ein Ziel an ihrem Horizont, und mancher verweilt eine Zeit in meinem Schatten, bevor er weiterzieht. Ich bin so viele tausend Jahre alt und nie allein."

Das sagte der alte Baum. Aber wohin er auch schaute, in seiner Nähe war kein anderer Baum. Er hatte eine Ahnung, eine ganz tiefe, ferne Erinnerung, an den Wald und an die Berührung mit anderen, die ihm gleich waren. Aber das muß lange hergewesen sein. Da irgendwo in der Ferne, da waren die Wälder und da waren die anderen. "Nein, ich bin nicht allein, sie sind alle da", sagte er.

Dann aber kam ein kleiner Gedanke und fragte: "Aber wie können wir dorthin kommen, da, wo die anderen sind?" Der alte Baum dachte lange nach, es dauerte viele, viele Jahre, bis er die Antwort fand. "Ich schicke Dich dorthin, meinen Gedanken." Und nach einer Weile fügte er hinzu: "Und ich brauche dazu meinen Freund, den Wind. Ich werde ihn fragen." 

Bald darauf kam ein heftiger Sturmwind auf, der über das Land fegte und er nahm die Blätter von dem alten Baum mit und trug sie hierhin und dorthin und manche kamen später mit dem Wind auch wieder zurück und lagen zu den Füßen des alten Baumes und erzählten ihm, was da in der Ferne war. "Wir sind nicht allein."

Manchmal fühle ich mich, wie ein Blatt im Wind, das überall hingeweht wird. Und ich will
diese langen Reisen machen, für meinen Baum. Ich bin der kleine Teil, den er ausgesandt
hat, um die Welt zu erkunden. Und irgendwann darf ich wieder zu ihm zurück und werde
zu seinen Füßen liegen und wieder zu einem Teil von ihm. Ich bin nicht allein. Ich bin ein
kleines Blatt im Wind und in der großen Welt.

 

* * *

Der Priester...

Ein junger Priester, der von seinem Glauben vollständig erfüllt war, wurde einst zu einem kranken, sterbenden Kind gerufen. Er kannte dieses Kind und liebte es sehr, mehr als die anderen Kinder seiner Gemeinde. Und er sah das unendliche Leid der Mutter. Er betete zu GOTT: "Herr, ich gebe Dir alles, nimm mir das Liebste, das ich habe, aber gib diesem Kind das Leben."

Das Kind wurde gesund. Der Priester zog eines Tages fort an einen anderen Ort. Dort sah er viel Leid und Elend. Sein Leben wandelte sich. Er wurde selber krank, verfiel dem Wein und der Völlerei und mancher Lust. Er übte sein Priesteramt nur noch schlecht aus. Sein Glaube wurde kleiner und kleiner und bald glaubte er an nichts mehr, nur noch an den Tod und das Nichts danach. Als er altgeworden auf dem Sterbebett lag, und ein junger Priester kam, um ihm die letzten Sakramente zu geben, konnte er nicht einmal dafür dankbar sein und wandte sich ab.  

Aber als er tot war, sah er sich auf einem Weg zu einem Licht und erinnerte sich wieder. Als er an das Himmelstor kam, empfing ihn ein Engel mit solch großer, unausprechlicher Würde, das er nicht wagte, ihn anzuschauen. "Wir haben schon lange auf Dich gewartet", sagte der Engel.  Der Priester stammelte leise voller Angst, Demut und Reue: "Ich weiß, und ich bin bereit, für meine Sünden zu büßen und ins Fegefeuer zu gehen."

"Nein", sagte der Engel. "Ich habe den Auftrag, Dich zu IHM zu bringen, zu GOTT selber."

"ER wird Gericht über mich halten wollen", sagte der Priester. Doch der Engel schwieg. 

GOTT aber sagte zu ihm: "Du hast mir damals aus Liebe einen Tausch angeboten und ich habe das genommen, was Du mir angeboten hast. Das Liebste, was Du hattest, Deinen Glauben. Alles, was Du danach getan hast, das tatest Du auch für mich, denn alles bin ich selber und alles geschieht in mir. Und nun ist alle Schuld bezahlt. Gehe hin in Frieden."  

Der Priester erwachte aus einem Traum und befand sich wieder auf dem Sterbelager. Er stand auf und statt nur zu glauben, hatte er Gewißheit in sich. Er lebte noch viele Jahre und gab all das weiter an die, die nach GOTT suchten.

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(wird fortgesetzt)

 

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 © 1.Jan.2007